Bernhard Peter und Dominik Smasal
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1005
Heidelberg

Heidelberger Schloß (8): Friedrichsbau (2)

Dänenkönig auf der Südseite, Christoph Rex Daniae
Eine einzige Statue des Figurenprogrammes auf der Südseite des Friedrichbaus trägt einen Wappenschild: Die Statue ist beschriftet mit CHRISTOPH REX DANIAE MCCCCXLVIII (1448). Es handelt sich um Christoph III von Bayern, Sohn von Johann Pfalzgraf bei Rhein zu Neumarkt (1383 - 1443) und Katharina v. Pommern-Stolp (ca. 1390 -1426), geb. 16.2.1416, gen. der Bayer, reg. 1439-1448, 1439/10.4.1440 König von Dänemark, 4.10.1440 König von Schweden, 4.6.1441/1442 König von Norwegen, 1443 Pfalzgraf, gest. 5.1.1448, der einzige Wittelsbacher auf dem dänischen Thron, Neffe seines Vorgängers auf dem dänischen Thron. Er hatte sich am 26.2.1416 in Kopenhagen vermählt mit Markgräfin Dorothea v. Brandenburg (1422/1430 - 10.11.1495), die nach seinem Ableben (kinderlos) in zweiter Ehe Christian I. aus dem Hause Oldenburg (1425 - 21.5.1481) heiratete, der Nachfolger als König von Dänemark, Schweden und Norwegen wurde und die Dynastie der Oldenburger auf dem dänischen Thron begründete. Das Beispiel zeigt deutlich, daß es keine echte Ahnengalerie war, sondern eher eine ideelle, zu der bedeutende Persönlichkeiten zusammengetragen wurden, zu denen verwandtschaftliche Beziehungen bestanden, denn Christoph war kinderlos.

Das Wappen des Bayern auf dem Dänenthron (Wappen 21)
Ihm wird folgendes Wappen zugeordnet:

Dieses Wappen ist eine Art Extrapolation des Wappens, wie es Christian II geführt hatte, zeitlich nach hinten, denn es zeigt Elemente, die erst nach Christoph III ins dänische Wappen aufgenommen wurden, dazu eine Mischung aus Oldenburg und Bayern, ganz verschiedenen Dynastien. Tatsächlich führte Christoph III auf seinen Siegeln ein anderes Wappen.

Friedrichsbau, Stadtseite (Wappen 18)

Die Neckarseite des Friedrichbaus hat im Gegensatz zur Südseite einen wesentlich zurückhaltenderen Fassadenschmuck. Die Nischen mit Statuen fehlen ganz. Im Hochparterre besteht der Schmuck zwischen den Fensterachsen vor allem aus reich skulptierten, schildförmigen, aber inhaltslosen Kartuschen mit Löwenköpfen darüber. Dieser Flügel weist über dem neckarseitigen nördlichen Eingang einen großen Wappenstein auf. Drei Schilde stehen gereiht nebeneinander, aber keiner als Vollwappen dargestellt. Über dem mittleren Helm ruht ein Ranghut, deshalb weicht der Rahmen hier als Stufe nach oben aus. Die Schildformen sind sehr späte Renaissanceformen mit kartuschenförmigen Rändern, die schon teilweise dem Barock angehören könnten, oben zweifach schneckenförmig eingerollt. Unten sind die Ränder zu schneckenförmigen Ornamenten eingedreht und rahmen jeweils eine Fratze, ehe sie sich unten ein letztes Mal einrollen. Oben zeigen die Rahmen zwischen den Voluten kleine Löwengesichter.

Friedrichsbau, Neckarseite (Wappen 14, 15, 16, 17)

Die neckarseitige Prunkfassade des Friedrichbaus weist in den beiden Giebeln genau die gleichen Wappen auf wie auf der Südseite: Pfalz und Nassau-Oranien, jeweils zweimal. Aufgrund der sich durch die große Höhe und den begrenzten Platz auf dem Großen Altan ergebenden steilen Aufnahmewinkels sei auf die Wappen an der Südseite verwiesen, sie sind identisch.

Abb.: Position der besprochenen Wappen auf der Nordseite des Friedrichsbaues am Heidelberger Schloß

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Landesfürsten
Rudolf Haas, Hansjörg Probst: Die Pfalz am Rhein: 2000 Jahre Landes-, Kultur- u. Wirtschaftsgeschichte. Südwestdeutsche Verlagsanstalt, Mannheim 1984, ISBN 3-87804-159-4
Meinrad Schaab: Geschichte der Kurpfalz. Bd. 1: Mittelalter. Kohlhammer, Stuttgart 1999, ISBN 3-17-015673-X, Bd. 2: Neuzeit. Kohlhammer, Stuttgart 1992, ISBN 3-17-009877-2
Alexander Schweickert: Kurpfalz. Kohlhammer, Stuttgart 1997, ISBN 3-17-014038-8
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Schloßführer: Wolfgang Wiese, Karin Stober, Schloß Heidelberg, Deutscher Kunstverlag München Berlin, 2005, ISBN 3-422-03107-3
Adolf von Oechelhäuser: Das Heidelberger Schloss. Verlag Brigitte Guderjahn, Heidelberg, 9. Aufl. 1998 (unveränderter Nachdruck der 8. Aufl. von 1987, bearb. von Joachim Göricke).
Burkhard Pape: Die Befestigungen am Heidelberger Schloss. Bau, Architektur und Funktion der Fortifikationen und die Geschichte der Belagerungen. Verlag Stefan Wiltschko, Neckargemünd-Dilsberg 2006, ISBN 3-00-017727-2
Franz Schlechter, Hanns Hubach, Volker Sellin: Heidelberg: Das Schloß. Umschau Buchverlag, 2001, ISBN 3894661445
Schloß Heidelberg:
http://www.schloss-heidelberg.de/de/schloss-heidelberg/Schloss/238149.html

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